Helga Kraihamer

Geboren am 17. August 1963 in Hall in Tirol
Gestorben am 01. März 2020 in Eugendorf

Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten, als Brücke dazwischen ist unsere Liebe.“

Schriftsteller Thornton Wilder

Das Land der Lebenden durften wir mit ihr erleben. Manche von uns sind ein paar Schritte mit ihr gegangen – andere – fast den ganzen Lebensweg.

Meine Mama wurde im August 1963 als drittes Kind von Isabella und Romed Feichtner in Hall in Tirol geboren. Aufgewachsen ist sie am elterlichen Hof in Thaur bei Innsbruck, gemeinsam mit ihren vier Schwestern.

Mama hat nie viel über ihre Kindheit erzählt, es waren meist nur kurze Einblicke die sie uns gewährt hat. Ein Satz ihres Vaters, den sie oftmals wiederholt hat war: „Madele, du hast zwei Füße mit denen du gehen kannst, zwei Hände mit denen du arbeiten kannst und einen Kopf mit dem du denken kannst.“
In den knappen Ausführungen über ihr Heranwachsen hat sie durchblicken lassen, dass sie ein „Papa-Mäderl“ war. Ich habe meinen Opa leider nicht kennen lernen dürfen, weil er im Jahr 1979 (ca. 6 Jahre vor meiner Geburt) in den Bergen einen Herzinfarkt hatte und von seiner Wanderung nicht zurück gekehrt ist. Es war ein Mittwoch im November.

Ab diesem Zeitpunkt sind die Erzählungen ausführlich bis sehr ausführlich. Sie hat oft beschrieben, wie die Situation damals war – aber nie ihre Gefühle, die sie hatte. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, ob ich sie jemals danach gefragt habe. Im Endeffekt wäre sie mir die Antwort sowieso schuldig geblieben.

Durch die Mithilfe ihrer ältesten Schwester Monika – ich bin nach ihr benannt – wurde es Mama ermöglicht, dass sie die Schule im Kematen weiterhin als Internatsschülerin besuchen konnte. Meine Mama war sehr ehrgeizig und hat 1982 mit Auszeichnung maturiert.

Nach einem Jahr Studium in Wien hat sie eine Stelle in der Landwirtschaftskammer in Salzburg angenommen. Sie war für das Landjugendreferat zuständig. In dieser Funktion hat sie auch meinen Papa kennen gelernt. Mama erwähnte stets die ersten Worte ihres Hias „Hallo i bin da Kraihamer Hias und wir werden uns auch noch kennenlernen“.

Zwei Jahre später erblickte ich das Licht der Welt. „Nicht gewünscht, aber dann erwünscht“ – so hat sie es immerwährend beschrieben. Meine zwei jüngeren Brüder waren dann scheinbar „geplant“ 😉

Mama war IMMER da. Ich kann mich nur an einen einzigen Augenblick erinnern, in dem ich sie gebraucht hätte und sie nicht greifbar war, weil sie auf einer Fernreise in China war. Sie liebte das Reisen. Alles war durchdacht, geplant und kaum war sie wieder zu Hause, war ihr Kopf schon im nächsten Domizil.

Auch im Erwachsenenalter hatte sie IMMER ein offenes Ohr für mich. Egal was es war, der Ballast wurde bei Mama abgekippt, sie hat mich getröstet und aufgebaut und ich bin voller Lebensfreude und Zuversicht wieder von Tannen gezogen.
Dafür möchte ich mich auf diesem Weg nochmal bei dir Mama bedanken. Erst dann, wenn das Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich ist, wurde mir bewusst, wie selbstverständlich für mich vieles war, was du für mich getan hast.

Unsere Mama sah uns drei Kinder als ihre Lebensaufgabe. Am Tag vor ihrem Tod ist sie mit meinem Sohn vorm Kachelofen gekniet und hat eingeheizt. Nebenbei zu mir blickend hat sie gesagt: „Monika, um dich brauche ich mich nicht mehr zu sorgen, um Mathias auch nicht und Christian hat seine Eva.“
Als hätte sie eine stille Vorahnung gehabt, dass ihre Lebensaufgabe erledigt ist und sie sich auf machen kann, zu einem neuen, ferneren Ziel.

„Da ist ein Land der Lebenden – da ist ein Land der Toten“, sagte der Dichter. Über das „Land der Toten“, können wir nichts sagen. Dahin ist sie uns vorausgegangen. Wir wissen nicht wie es dort ist. Wir können ihr nur nachblicken und auf ein Wiedersehen hoffen.

Da ist ein Land der Lebenden – da ist ein Land der Toten
und als Brücke zwischen den beiden steht unsere Liebe.
Diese Brücke der Liebe ist die Verbindung zu ihr
die Verbindung über die Grenzen hinweg
über die Grenzen zwischen dem
„Land der Lebenden um dem Land der Toten“

2 Kommentare

  1. Liebe Monika,

    mein Name ist Kathi Pum und ich war eine Studienkollegin deiner Mama. Wenn sie nach Wien auf die PH musste und wir eine Abendveranstaltung hatten, dann hat sie bei mir und meiner Schwester Ulli übernachtet.

    Die Nachricht ihres Todes hat meine Studienkollegen und mich wie ein Blitz getroffen. Wir haben erst vor ein paar Wochen davon erfahren, als wir ein Treffen planten und Helga nicht erreichen konnten und in der Schule angerufen haben.

    Helga war für mich immer ein Vorbild, ihr immerwährender Ehrgeiz und ihre positive Art waren immer ein Ansporn für mich. Wenn wir während des Studiums mal in eine Jammerstarre verfallen sind, hat uns deine Mama da wieder rausgeholt. Sie schupfte das Studium, den Beruf und euch ganz selbstverständlich. Wenn sie bei mir übernachtete, tratschten wir bis spät in die Nacht hinein und auch manch pubertärer Anfall von dir wurde von meiner Schwester und uns analysiert. 😉 Meine Schwester ist Sozialpädagogin und hat jahrelang in der Jugendwohlfahrt gearbeitet. Daher der rege Austausch über manch pubertärer Probleme.

    Umso stolzer war sie, wenn sie uns später davon berichtete, was du und deine Brüder aus eurem Leben gemacht habt und selbständig ihr seid. Wie du geschrieben hast, ihr ward Helga’s Lebensaufgabe.

    Der Nachruf über sie ist soooo passend, so emotional und so wertschätzend ihr gegenüber…
    Wir hoffen sehr, dass die schönen gemeinsamen Erinnerungen mit ihr mittlerweile dem Schmerz überliegen.

    Ich würde sehr gerne Helga’s Grab besuchen. Könntest du mir vielleicht per Mail beschreiben, wo ich das Grab finde. Wir sind gerade in Bayern auf Urlaub und bei der Rückreise wäre dies eine tolle Gelegenheit.

    Vielen lieben Dank…. Ich wünsche dir und deiner gesamten Familie alles Liebe

    Glg Kathi

  2. Hallo Monika,

    Mein Name ist Arno. Zusammen mit meine Grosseltern Norbert und Erika Limpinsel, bin ich sehr oft bei deine Mutter und all ihre Schwester, dein Opa und Oma zur Besuch gewesen. Ich war 3 Jahre Alt, wo ich zum ersten Mal mit meine Grosseltern auf dem Bauernhof war. Jeden Sommer meistens 3-4 Wochen. Deine Mutter und ich wahren in diese Woche, als Kind, viel zusammen. Sie war 2 Jahre elter. Habe mit dein Vater an Traktoren gearbeitet als Junge. Er wird mich auch erinnern. Ebenfalls als meine Grosseltern.

    Leider bin ich den Kontakt verloren zu der Familie. Das letzte Mal das ich deine Mutter sah, war die Beerdigung meiner Grosseltern.

    Ich moechte dich bitten deine Familie liebe Gruesse zu bestellen.

    Alles Liebe und Gute.

    Arno

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